Willkommen auf meiner Seite

Bei mir ist es wie bei der Hummel. Die Hummel ist eigentlich zu schwer für ihre kleinen Flügel. Das weiß die Hummel aber nicht und fliegt.

Ähnlich ist es bei mir. Knochenkrebs ist leider keine Spaßveranstaltung und hat nicht immer ein gutes Ende.

Aber das wusste ich nicht, oder wollte es nicht wissen. Also Lebe ich!!!

Dies hat zur Folge das die Ärzte mich praktisch wie einen Messias feiern, wenn sie mich sehen.

Wie oft ich dazu beglückwünscht wurde, dass ich noch Lebe kann ich mittlerweile nicht mehr zählen. 

Und dann kam Bernadette...

So habe ich die Seite genannt, da Bernadette mein Tumor war. Da "Tumor" kein schönes Wort ist, hat er einen Namen bekommen.

Meine Mutter hatte 2 Jahre vor mir einen bösartigen Tumor. Sie mochte das Wort genauso wenig wie ich und sagte daher einmal ganz trocken und nebenläufig "Von Männern konnte ich mich immer am Besten trennen. Daher nenne ich meinen Tumor jetzt Bernd".

Und dann kam Bernadette, und ich wollte das Wort genauso wenig aussprechen. Und da ich in einer Wohngruppe mit Mädchen arbeitete, fand ich einen Frauennamen ganz passend.

Da war sie nun, Bernadette. Sie saß in meinem linken Oberschenkel, kurz über dem Knie. Und ich war gerade 22 Jahre, 30 Tage vor einem 23 Geburtstag. Die Ärzte sagten mir, dass ich eigentlich schon zu alt für diesen Tumor wäre. Aber das schien Bernadette nicht zu interessieren. Sie war da und sollte von nun an mein Leben bestimmen.

14 Chemos und 1 Jahr später hatte ich sie besiegt. 

Mit mir ist nun mal nicht gut Kirschen essen, liebe Bernadette.

Aber damit komme ich zu meinem eigentlichen Anliegen:

Wie der Kampf gegen den Krebs ist, schreiben viele und ich bewundere jeden einzelnen, dass er noch so viel Kraft für einen solchen Blog aufbringen kann. Ich war damals froh das ich einfach nur geatmet habe, und habe mich wie eine kleine Schneekönigin gefreut wenn das Essen mal drin geblieben ist.

Aber wie ist das eigentlich, wenn der Krebs besiegt ist?

Was ist dann?

Wie geht es weiter?

Wird alles so wie vorher?

Warum spricht darüber eigentlich mal keiner?

Klar ist, nichts ist mehr so wie es vor Bernadette war. Ich möchte euch hier daran teilhaben lassen, wie es eigentlich nach dem Krebs weiter geht. Auch wenn ich dieses Jahr Bernadette schon 4 Jahre los bin, bekomme ich immer noch mitleidige Blicke wenn die Menschen erfahren das ich schon Krebs hatte und die einen können gut und die anderen weniger gut damit umgehen.... 

  

 

13.2.16 01:33, kommentieren

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Die kleinen großen Herausforderungen

Am Donnerstag war ich endlich mal wieder auf einem Konzert.

Das 3 Konzerte, auf das ich mich nach meiner Erkrankung getraut habe.

Ich muss dazu sagen, seit meiner Operation kann ich nicht mehr besonders lange stehen und gehen. Nach einer gewissen Zeit wird es für mich zur Tortur. Mein Bein schwillt dann an, die Schmerzen kommen und ich kann nur noch schlecht laufen.

Klar war, Sitzmöglichkeiten wird es dort nicht geben und um nach Behindertenplätzen zu fragen...da kam mal wieder der -vielleicht auch falsche- Stolz in mir durch.

Mittlerweile sind meine Freunde und ich so eingespielt, dass sie immer schon Plätze suchen wo ich mich auch hinsetzten kann. Auch jetzt wieder. Es gab ein Podest extra für Behinderte. Ich selbst wollte natürlich nicht da drauf, auch wenn ich nicht mehr stehen konnte. Wenn ich eins schlecht ertragen kann, dass sind es die Blicke von anderen Menschen.

Diese muss ich immer wieder über mich ergehen lassen. Mittlerweile sehe ich wieder wie eine normale 27 jährige aus, die wieder Haare hat und nicht mehr auf Hilfsmittel angewiesen ist. Trotzdem habe ich einen Behinderten-Parkausweis. Ich musste schon viele böse Kommentare über mich ergehen lassen, wenn ich auf einem solchen Parkplatz geparkt habe. Ich bin dann immer hin und her gerissen. Böse, weil die Menschen so viele Vorurteile haben und oberflächlich sind, aber auch froh das ich in der Menge nicht mehr als Behinderte auffalle.

Nun ja, da war ich nun auf dem Konzert. Auf das Podest durfte ich nicht, das hätte ich vorher anmelden müssen. Also nahm ich die für mich persönlich die angenehmere Variante. Ich suchte mir eine Ecke, wo ich mich auf den Boden setzten konnte.

Ja okay, elegant sieht leider anders aus, wenn ich wieder aufstehe, weil ich es einfach nicht mehr anders kann. Aber ich habe auf viele betrunkene Menschen um mich herum gehofft. 

Und dann kam die riesen Schlange am Ende des Konzerts. Ich wäre am liebsten einfach umgekippt, weil ich den ganzen Tag schon in Köln unterwegs war und einfach nicht mehr konnte.

Aber da war er wieder...der Wille nicht als Behinderte aufzufallen und der Wunsch eine ganz normale 27 jährige zu sein, die auf einem tollen Disclosure Konzert war.  

Aber es war wieder eine kleine, große Herausforderung die ich für mich geschafft habe... 

 

13.2.16 15:08, kommentieren